Geschenke des Lebens annehmen

Ich sitze im Terrassengarten. Die Pinien über, neben und hinter mir. Das Meer breitet sich in seiner ganzen Schönheit vor mir aus. Die Wellen glitzern im Sonnenschein. Meine Haut seufzt genüsslich auf in diesem Sonnenbad und erfreut sich der angenehm kühlen Luft. Wir sind hier gänzlich ungestört. Ich kann nackt mit meiner Tasse Tee auf der Terrasse sitzen und niemand sieht mich. Ich höre allein den Wasserlauf des Infinity Pools, das Meer rauscht von der Bucht herauf und die Pinien singen leise ihr Lied.
Achja, und da sind ein paar seltsame Laute, die mein Freund bei seiner Morgenpraxis auf der Sonnenterrasse von sich gibt…

Das Leben hat mir ein großes Geschenk gemacht.

Nein, ich bin hier nicht im Urlaub. Ich bin zu Hause, wo ich gerade bin. Meine Arbeit ist von jeglichem Müssen befreit, spätestens seit ein Erbe nachgeholfen hat, das zu verstehen. Heute morgen bin ich neben einem Mann aufgewacht, der mit einem Lächeln im Gesicht sagte, dass er schon so gespannt ist, wie ich mit 40, 50, 70 Jahren sein werde.

Und doch kann es gut sein, dass ich morgen aufwache und meinen Partner nicht sehe, wenn ich ihm in die Augen schaue, weil mal wieder irgendetwas zwischen uns steht. Dann sind mir die Wege hier zu steil und das Meer rauscht zu laut. Und überhaupt, wozu baut man denn Infinity Pools?! Dann erdrückt mich die Vergänglichkeit von allem. Großes Glück birgt eben auch eine große Verletzlichkeit in sich. Und keiner Sache kann man sich je sicher sein in diesem Leben…. blablabla.

Der Geist findet immer irgendeinen Grund, unzufrieden zu sein. Und sich den Geschenken, die das Leben uns macht, in den Weg zu stellen.

Können wir die Arme einfach mal aufmachen und danke sagen?
Ohne Schuldgefühl, ohne schlechtes Gewissen, ohne „ich müsste doch“ und „aah wenn das mal gut geht“.

Ich lerne, die Geschenke des Lebens anzunehmen. Tag für Tag übe ich mich darin, mal klappt es besser, mal schlechter. Und doch zeigt mir das Leben, dass es sich lohnt, für seine Sehnsucht zu gehen. Die Geschenke werden immer größer.

Jetzt in diesem Moment, da ich aufs Meer schaue umgeben von Pinien, da breitet sich ein Lächeln aus in meinem Gesicht, die Wärme der Sonne erfüllt meinen ganzen Körper und ich fühle mich so frei frei frei.

Frei. Das sind wir tatsächlich alle, nur die wenigsten von uns fühlen diese Freiheit auch.

Drum schreibe ich diese Zeilen. Nicht um dir die Idee einzupflanzen, du bräuchtest Meerblick, Infinity Pool und einen Partner, um glücklich zu sein, nein. Um dich zu erinnern, dass du es verdienst, glücklich und frei zu sein. Und dass das Leben dir alles schenken will, wonach du sich sehnst. Folge dieser Sehnsucht und lass dich überraschen, wo du dich wiederfindest.

Leave a Comment